Ostfriesen- Zeitung, 03.04.2008
Emslandlager: Fehntjer Schüler im DIZ

unterricht Besuch des Dokumentations- und Informationszentrums Papenburg gehörte zu Proiekttagen

Die Nazizeit wird in der KGS Großefehn auch in den jüngeren Jahrgängen zum Thema gemacht. Das Interesse der Kinder sei groß, hieß es.

VON EDGAR SAGER

GROßEFEHN/PAPENBURG „Vier Jahre Zuchthaus bekam er, weil er von seinem Essen abgegeben hatte!" Dieser Satz aus dem Vortrag von Marianne Buck im Dokumentations-und Informationszentrums (DIZ) Emslandlager in Papenburg hinterließ einen tiefen Eindruck bei den jungen Besuchern aus der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Großefehn. Vor dem Modell des Lagers II Aschendorfermoor hörten sie vom Wachsoldaten Willi Pütz, der in der Nazizeit aus Gutmütigkeit den sowjetischen Kriegsgefangenen Brot zugesteckt hatte, dafür bestraft wurde. Später baute er aus seiner Erinnerung heraus die Anlage detailreich nach.


Die Sechstklässler der KGS Großefehn am Modell des Nazi- Emslandlagers II:
Ma
rianne Buck (3. von links) vom DIZ informierte über die Lagergeschichte und Schicksale der Gefangenen. BILD:SAGER

Die Klassen 6G1 und 6G2 waren mit ihren Fachlehrern nach Papenburg gefahren, um sich für das Unterrichtsprojekt „Nazizeit" über die Geschichte der 15 Emslandlager zu informieren und von den Lebensschicksalen der Gefangenen zu erfahren. Bück erzählte den Kindern von Entbehrungen, Schikanen und körperlichen Leiden. In der Ausstellung des DIZ konnten die Kinder sich anschließend selbstständig mit Hilfe von Fragebögen informieren.

„Selten sind die Besuche von Sechstklässlern geworden", meinte Bück zu Jörn Haase, dem für Geschichte zuständigen Fachbereichsleiter der KGS. Seit Abschaffung der Orientierungsstufe und der Streichung des Themas „Nationalsozialismus" für die Jüngeren kämen fast nur noch höhere Jahrgänge. Haase erklärte, dass die Lehrerschaft der KGS Großefehn genau dies be-daure und deshalb alljährlich im sechsten Jahrgang Projekttage zu dem Thema veranstalte. „Das Interesse der Kinder ist groß, und so können wir schon früh den Gefahren rechten Gedankenguts vorbeugen", sagte der Pädagoge aus Großefehn.

Der Beitrag des Faches Deutsch, so die Fachbereichsleiterin Ellen Zarghami, werde in der Lektüre des Buches „Wie Hitler das rosa Kaninchen stahl" von Judith Kerr bestehen.

DIZ Emslandlager

1985 richtete das Aktionskomitee Emslandlager in einem alten Fehnhaus in Papenburg das Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager (DIZ) ein.

An selber Stelle wurde 1991 auf Initiative des Landkreises Emsland und mit Unterstützung des Landes Niedersachsen und der Stadt Papenburg mit einem Neubau begonnen. Die Eröffnung war im September 1993 mit einem internationalen Treffen ehemaliger Häftlinge verbunden.

In der Dauerausstellung mit zahlreichen Exponaten von ehemaligen Lagerinsassen wird die Geschichte der Emslandlager 1933 bis 1945 dargestellt. In einem zweiten Ausstellungsraum werden Wechsel- und Sonderausstellungen präsentiert. Im DIZ sind neben Büroräumen ein Seminar- und Vortrags-raum, eine Bibliothek sowie ein Foto- und Dokumentenarchiv.

Insgesamt wurden etwa 80 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene sowie zwischen 100 000 und 180 000 Kriegsgefangene in den 15 Emslandlagern inhaftiert. Bis zu 30 000 Menschen kamen in ihnen um.

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