Ostfriesische Nachrichten, 20.06.2007

„Sozialer Tag": Schulbank gegen Arbeitsplatz getauscht

250 Schüler der KGS Großefehn spenden ihren Lohn für Jugend-Hilfsproiekt auf dem Balkan / Auch der AWO-Wohnpark machte mit

jok Großefehn. Zum vierten Mal beteiligte sich die Kooperative Gesamtschule Großefehn am "Sozialen Tag". Rund 250 Jungen und Mädchen tauschten gestern die Schulbank gegen einen Arbeitsplatz und spenden ihren Lohn für ein Projekt auf dem Balkan. Die in Neumünster ansässige Organisation „Schüler Helfen Leben" will gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt Bremerhaven in der Region Serbien/ Kosovo/ Mazedonien grenzübergreifende Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche schaffen oder neu aktivieren.

Wie Martin Aden, Didaktischer Leiter der KGS, im Gespräch mit den ON berichtete, waren zahlreiche Firmen und Institutionen aus Großefehn und Umgebung bereit, beim „Sozialen Tag" mitzumachen. Die Schüler assistierten Landwirten bei der Tierpflege, beim Stallausmisten und der Maschinenpflege, verrichteten leichte Büroarbeiten für Dienstleister, räumten in Supermärkten und Geschäften Waren ein und aus und erledigten Botengänge, gingen Gärtnern beim Eintopfen und Pikieren von Pflanzen zur Hand.

Auch Eltern, Verwandte und Nachbarn hatten sich gemeldet, weil Rasen gemäht. Einkäufe getätigt und Autos gewaschen werden mussten. KGS-Schüler sammelten Geld, indem sie Straßenmusik machten, Rope-Skipping vorführten und einen Flohmarkt in der Schule veranstalteten.

Im AWO-Wohnpark Großefehn waren die KGSler ebenfalls aktiv und unterstützten den Hausmeister bei der Pfle-ge der Grünanlagen. Heimleiterin Carola Fischer zeigte sich angetan von ihrer Einsatzfreude: „Erstaunlich, was die an Unkraut weggerissen haben, obwohl - und das war zu merken - Viele solche Arbeiten nicht gewohnt sind."

Der Kontakt zwischen Wohnpark und KGS besteht schon seit acht Jahren. Regelmäßig besuchen Schüler die Senioren, um sie mit Rollstühlen auszufahren, stimmen sie mit Gedichten auf Frühling, Herbst und Weihnachten ein und unterhalten sie mit Blockflötenklängen.

Die Jungen und Madchen der 5G2 gingen unter Leitung von Klassenlehrerin Christina Biebricher fleißig zu Werke, um dem AWO-Wohnpark bei der Pflege der Grünanlagen zu helfen. Mit dem verdienten Geld wird ein Jugendprojekt auf dem Balkan unterstutzt. Foto: Kupka

Gestern waren etliche Schüler erstmals im Wohnpark. Carola Fischer hofft, dass sich der eine oder andere entschließt, „sich bei uns auch weiterhin zu engagieren" und vielleicht sogar ein Praktikum absolviert, um den Pflegeberuf kennenzulernen.

Die KGS-Schüler mussten Arbeitsvereinbarungen mit den Unternehmen abschließen. In dem Formular wurden die Entgelte eingetragen, wobei Stundenlöhne bis zu acht Euro gewährt wurden. Martin Aden schätzt, dass mindestens 2000 Euro zusammengekommen sind, die nun an „Schüler Helfen Leben" überwiesen werden.

Die - von Schülern initiierte - Organisation, hatte, wie schon 2006, Bundespräsident Horst Köhler als Schirmherrn gewonnen. Zwei Referenten, 13 und 17 Jahre alt, waren kürzlich in der KGS zu Gast, um für das Projekt in Südosteuropa zu werben. Es soll ein Beitrag sein, gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Volksstämmen zu verhindern, falls es wieder zu einer Krise im Kosovo kommt.

Die geplanten Jugendzentren stehen Albanern, Serben und Roma gleichermaßen offen. Dort können sie sich mit Gleichaltrigen treffen und werden pädagogisch betreut. Die Angebote reichen von Hausaufgabenhilfe und kreativen Kursen wie Basteln, Tanzen und Musizieren über Sport- und Computerlehrgänge, Informationen zu Aids, Drogen und Menschenrechten bis zur Unterstützung bei der Berufsfindung, Ausbildung und Arbeitsplatzsuche.

Mit freundlicher Genehmigung der Ostfriesischen Nachrichten, Aurich

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